Archiv der Kategorie: Allgemein

Bd.21(2018):173-214_ Brendel+Hahmann

Bernd Brendel, Peter Hahmann (beide Jena)
Raster-Elektronenmikroskopie bei Carl Zeiss JENA
Jenaer Jahrbuch zur Technik – und Industriegeschichte Band 21 (2018), S. 173-214

Inhalt:
Das wesentliche Wirkprinzip des Rastermikroskopes ist die punktweise Detektion von Substrateigenschaften und die synchrone Wiedergabe auf einem Bildschirm. Die Grundlagen waren lange bekannt, aber erst die Entwicklung der Elektronik ermöglichte die Nutzung im großen Maßstab. Parallel zur weltweiten Entwicklung arbeitete auch Carl Zeiss Jena an einem Rasterelektronenmikroskop. Anforderungen der mikroelektronischen Industrie, vornehmlich in der UdSSR und der DDR, stoppte die Arbeiten zum Mikroskop im engeren Sinne, führten aber zu einem völlig neuen Gerätetypus, dem Elektronenstrahl -Meß-,-Kontroll- und Belichtungsgerät ZRM12. Das Rasterprinzip lässt sich auch die lichtoptische Variante übertragen. In Jena entstand das Messgerät M100, das lange Zeit für die interne Qualitätskontrolle eingesetzt wurde. Beide Geräte konnten zweidimensionale Strukturen messen. Der Einsatz des weiterentwickelten Elektronenstrahlgerätes führte (neben zahlreichen weiteren Maßnahmen) zur Akkreditierung des Kalibrierlaboratoriums des Deutschen Kalibrierdienstes für zweidimensionale Positioniernormale bei der Jenoptik Technologie GmbH, Jena DKD-K-12401.

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Bd.21(2018):421-467_ Richter

Matthias Richter
Nikolaus Benjamin Richter-Astronom, Meteorologe und Geograph
Jenaer Jahrbuch zur Technik – und Industriegeschichte Band 21 (2018), S. 421-467

Inhalt:
Nikolaus Benjamin Richter ist seit seiner Gymnasialzeit zeitlebens ein begeisterter Astronom. 1935 wird er wissenschaftlicher Assistent an Universitätssternwarte Berlin Babelsberg und widmet sich der Kometenforschung. Durch die kriegsbedingte Teilnahme am „Sonderkommando Dora“ in der libyschen Wüste (1942/43) erwacht sein Interesse an der Krateroase „Wau en-Namus“ (südliche Sahara), die er in mehreren Expeditionen als Meteorologe und Geograph in den 50er Jahren erforscht und topographisch vermisst. Als Observator an der Sternwarte Sonneberg von 1947 bis 1960 wird er ein international anerkannter Kometenforscher (Kometenatlas 1969/1979). 1960 wird er von der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin (DAW) zum Gründungsdirektor des Karl-Schwarzschuld-Observatoriums in Tautenburg (heute Thüringer Landessternwarte) ernannt. Ihm steht bis 1967 ein Kuratorium von Astronomen aus ganz Deutschland beratend zur Seite. Er erforscht mit intensiven Arbeiten am 2-m-Universal-Schmidtspiegelteleskop zahlreiche Galaxienhaufen und sog. Blaue Objekte und entdeckt mehr als 745 kompakte Galaxien.
In dem vorliegenden Beitrag wird das wissenschaftliche Lebenswerk von Nikolaus Benjamin Richter mit zahlreichen Bezügen zur Zeitgeschichte und zur Entwicklung der DAW (später Akademie der Wissenschaften der DDR) umfassend dargestellt.

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Bd.21(2018):397-419_ Remy

Dietmar Remy
Der große Unbekannte – eine Annäherung an den Zeiss-Generaldirektor Helmut Wunderlich (1919–1994)
Jenaer Jahrbuch zur Technik- und Industriegeschichte Bd. 21 (2018), S. 397-419 

Inhalt:
Ehemaligen Mitarbeitern des VEB Carl Zeiss Jena sind von den vier Generaldirektoren, die zwischen der Verstaatlichung der Firma Zeiss im Jahr 1948 und dem politischen Umbruch im Herbst 1989 an der Spitze des Optik-Giganten standen, zumeist drei in Erinnerung geblieben: Hugo Schrade, Ernst Gallerach und Wolfgang Biermann. Zu diesen Großen Drei gesellt sich in der Zeiss-Historie ein großer Unbekannter. Sein Name: Helmut Wunderlich.
Die meisten Zeissianer verstanden nicht, weshalb die Berliner Parteispitze gerade diesen Mann 1971 zum dritten Generaldirektor des so wichtigen und zugleich komplexen Traditionsunternehmens ernannt hatte. Sie fragten sich damals, welche Leistungen jener denn für die DDR-Volkswirtschaft erbracht habe, um dazu berufen zu sein, in Jena als ihr Repräsentant aufzutreten.
Wunderlich agierte nur vier Jahre in Jena. Vielen Zeitzeugen erschien er damals als ein Wirtschaftsfunktionär ohne Elan und Visionen, der den VEB Carl Zeiss Jena mehr verwaltete als lenkte. Aufgrund großer Planrückstände von Zeiss beim Export in das nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet sowie aufgrund seines angeschlagenen Gesundheitszustandes musste Wunderlich sein Amt 1975 aufgeben.
Im Mittelpunkt dieses Aufsatzes steht vor allem Wunderlichs berufliches Schaffen bis zum seinem Eintreffen in Thüringen. Auf diese Weise wird deutlich, weshalb sich damals die Parteiführung der SED und die Regierung der DDR ganz bewusst für Wunderlich entschieden hatten. Dabei diente als wesentliche neue historische Quelle Wunderlichs Autobiographie, in der er zum Beispiel seine Zeit in russischer Kriegsgefangenschaft, seine Tätigkeit als Minister für Maschinenbau und seine Erfolge bei der Sanierung von zwei Volkseigenen Betrieben im Berliner Raum beleuchtet. Er verfasste diese Autobiographie 1985 als Rentner. Seine Selbstdarstellung wurde jedoch nie veröffentlicht – und blieb bis heute unbeachtet.

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Bd.21(2018):379-395_ Schwennicke

Rainer Schwennicke
Fertigung von Fotofresnel – Drehdiamanten im Zeisswerk JENA
Jenaer Jahrbuch zur Technik- und Industriegeschichte Bd. 21 (2018), S. 379-395

Inhalt:
Zeiss benötigte Drehdiamanten für die verschiedensten Einsatzgebiete. Das erforderte die Kapazität von 20 Schleifern. Eine besondere Herausforderung war die Herstellung von Drehdiamanten, die für die Herstellung von Fresnellinsen benötigt wurden. Im Beitrag wird der Arbeitsstand zum Herstellen von Drehdiamanten Anfang der 1980er Jahre dargestellt. Es werden die speziellen Herausforderungen beschrieben, die sich aus der Härte und den Besonderheiten des Materials einerseits und aus den hohen Genauigkeitsanforderungen andererseits ergeben.

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Bd.21(2018):369-378_ Fauer

Ernst Fauer
Die äquatoriale Ringsonnenuhr mit „Bernhardtscher Scheibe“
Jenaer Jahrbuch zur Technik- und Industriegeschichte Bd. 21 (2018), S. 369-378

Inhalt:
Im Jenaer Jahrbuch 2014 war in einem Beitrag über die Sonnenuhren besonders auf die äquatoriale Ringsonnenuhr mit Bernhardtscher Walze eingegangen worden. Eine solche Einrichtung zeichnet sich durch eine vergleichsweise hohe Anzeigegenauigkeit aus. Die Herstellung einer Walze ist aber aufwändig. Nun beschreibt in diesem Beitrag der Autor eine Variante, die bei gleicher Genauigkeit mit einfachen Mitteln herzustellen ist. Die Zusammenhänge vom Lauf der Sonne zu der konstruktiven Gestaltung wird in leicht verständlicher Form vermittelt.

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Bd.21(2018):317-367_ Dörfel

Günter Dörfel (Dresden)
Im Sog kerntechnologischer Entwicklungen und Versprechen:
Der Schwingkondensator als elektro-mechanischer Verstärker zwischen Elektronenröhre und Feldeffekttransistor und dessen Nutzbarmachung im Wirtschaftsraum Dresden – Jena
Jenaer Jahrbuch zur Technik- und Industriegeschichte Bd. 21 (2018), S. 317-367

Inhalt:
Die Kapazität eines sehr hochohmig an eine (Gleichspannungs-) Messquelle angekoppelten Kondensators wird (mechanisch) periodisch variiert. Obwohl er der Messquelle keine Leistung entzieht, gibt dieser Kondensator eine der Messspannung proportionale und elektronisch (relativ) leicht zu verstärkende Wechselspannung mit realer, dem mechanischen Antrieb entzogener Leistung ab. Dieses Bauelement mit sensationellen Verstärkereigenschaften – die auf das Signal bezogene Leistungsverstärkung ist (theoretisch) unendlich –, nicht sehr viel jünger als die Elektronenröhre, führte in deren Schatten zunächst ein Nischendasein. Seine Früh- und Vorgeschichte ist verblüffend eng mit dem von den Pionieren (hier: Einstein, Barkhausen) etablierten Grundwissen unseres Informationszeitalters verbunden. Im Gefolge der in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts aufkommenden (und zeitweilig überschätzten) Kerntechnologien erfuhr die Schwingkondensatortechnik vielfältige Ausgestaltungen von hoher technischer Qualität und bemerkenswertem wirtschaftlichen Gewicht. Geschildert werden Anwendungen insbesondere im Rahmen der Dickenmesstechnik mit radioaktiven Isotopen und der elektronischen Messtechnik allgemein. Dabei werden internationale und DDR-spezifische, zeitweilig durchaus erfolgreiche aber keineswegs konfliktfreie Ausprägungen beschrieben und gegenübergestellt.
Es ist das Ziel dieses Beitrages, eine sehr anspruchsvolle und zeitweilig unverzichtbare Verstärkertechnik vor dem Vergessen zu bewahren.

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Bd.21(2018):275-315_ Bussemer

Peter Bussemer (Gera)
Von der Geometrie der Linsen zur Harmonie der Töne:
Die Photoobjektive und Kompositionen des Hans Sommer (1837 – 1922)
Jenaer Jahrbuch zur Technik – und Industriegeschichte Band 21 (2018), S. 275-315

Inhalt:
Hans Sommer (1837-1922) vereint in seiner Person sowohl wissenschaftliches als auch künstlerisches Talent. In seiner ersten Lebenshälfte wurde er bekannt durch die mathematisch anspruchsvollen Berechnungen zur Optik von Linsensystemen für die Firma Voigtländer in Braunschweig, die später auch von Carl Zeiss Jena genutzt wurden. Nach einem Zerwürfnis mit der Familie Voigtländer  widmete er sich ab 1880 nur noch der Musik und komponierte Opern und Lieder. Nach seinem Tode fast in Vergessenheit geraten, erlebte sein Musikschaffen zuletzt eine späte Renaissance.  Am Theater Gera wurde 2016/17 seine Oper „Rübezahl“ mit großem Erfolg wieder aufgeführt. Der Artikel verknüpft  wissenschaftliche und künstlerische Aspekte des Sommerschen Schaffens mit Personen und Ereignissen seiner Zeit mit besonderem Bezug  zu den Städten Jena und Gera im Sinne einer kulturellen Einheit des Raumes Ostthüringen.

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Bd.21(2018):257-274_ Luck

Gudrun Luck (Jena)
2019: 100 Jahre Volkshochschule Jena – 100 Jahre Begegnung mit dem Zeiss-Werk und der Zeiss-Stiftung
Jenaer Jahrbuch zur Technik – und Industriegeschichte Band 21 (2018), S. 257-274

Inhalt:
Viele Volkshochschulen feiern 2019 ihr großes Jubiläumsjahr. Sie werden 100 Jahre alt, so auch die VHS Jena. Ohne die Hilfe und den Weitblick bedeutender Persönlichkeiten, Einrichtungen und Firmen wäre diese Gründungswelle nach dem 1. Weltkrieg nicht möglich gewesen. In Jena wird dies u. a. ganz besonders an der Unterstützung der VHS durch das Zeiss-Werk und die Carl-Zeiss-Stiftung deutlich, versinnbildlicht sie doch auch die für Jena so typisch enge Verflechtung verschiedener gesellschaftlicher Bereiche. Natürlich war dies auch eine Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen. Wie sie sich in der Gründungszeit und in den Jahrzehnten danach unter verschiedenen Gesellschaftssystemen bis zum heutigen Tag gestaltete und gestaltet, kann in diesem Beitrag nachgelesen werden.

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Bd.21(2018):215-256_ Makovitzky

Josef Makovitzky (Heidelberg)
Untersuchungen der Glykokonjugate mit polarisationsoptisch-histochemischen (topo-optischen) Reaktionen*
Jenaer Jahrbuch zur Technik – und Industriegeschichte Band 21 (2018), S. 215-256

Inhalt:
Aus der Literatur sind zwei Klassen von Glykoproteinen bekannt (Romhányi 1989, Makovitzky and Richter 2009). Freie Glykoproteine befinden sich auf Membranen und bilden eine dicke, bewegliche Schicht ohne direkte Beziehung zur Membran. Funktionell sind sie jedoch in enger Beziehung zur Membran (z. B. in der Schleimhaut des Zwölffingerdarms). Die zweite Gruppe besteht aus Membranglykoproteinen, die integraler Bestandteil der Membranen sind und sich in der äußeren Schicht befinden. Die Oligosaccharidketten sind gebunden an den N-Enden der Proteine und befinden sich in der hydrophilen Zone.
Glykoproteine haben verschiedene Funktionen. Sie sind bedeutend bei bestimmten Rezeptorfunktionen, beim immunologischen Zellabbau und spielen eine große Rolle bei Reaktionen mit Lektinen, Antikörpern und auch bei der gegenseitigen Erkennung der Zellen.
In diesem Artikel wird gezeigt, dass bei der Untersuchungen von Glykokonjugaten die Polarisationsmikroskopie mit ihren topo-optischen, empfindlichen Reaktionen neben der klassischen Histochemie, Fluoreszenz- und Elektronen-Mikroskopie sowie der konfokalen Laser-Scanning-Fluoreszenz-Mikroskopie unentbehrlich ist. So können feinste strukturelle Details auf molekulare Ebene aufgeklärt werden, die anderen Methoden verborgen bleiben.

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Bd.21(2018):157-171_ Gottschall+Schwarz

Reiner Gottschall (Jena), Jürgen Schwarz (Apolda)
Die endoskopische Anwendung des Nd-YAG-Lasers im zentralen Atemweg ab Ende 1987 in Jena
Jenaer Jahrbuch zur Technik – und Industriegeschichte Band 21 (2018), S. 157-171

Inhalt:
Aus der Sicht eines endoskopisch ausgebildeten Anästhesisten und eines Physikers wird die technische Entwicklung und die Einführung der Nd-YAG-Laseranwendung im zentralen Atemweg als medizinische Behandlungsmethode in Jena beschrieben. Im Kontext bestehender Rahmenbedingungen ist hierbei die Modifikation eines Industriegravurlasers an medizinische Erfordernisse sowie die Nutzung von Narkosebeatmung in Form hochfrequenter Jetventilation auf der Basis gerätetechnischer Unikate hervorzuheben.

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